PCSE/R Progressive Chondro Stimulating Exercises /Running -Erfahrungsmedizin -

 

Das Trainingskonzept der Progressive Chondro Stimulating Exercises (PCSE), in Kombination mit Laufen/ Joggen auch  als PCSE/R bezeichnet:

 

PCSE ist ein gezieltes Belastungsprogramm, welches darauf abzielt, die Knorpelzellen (Chondrozyten) durch kontrollierte, mechanische Reize zur Regeneration und Matrixbildung anzuregen. Das Konzept basiert auf dem Prinzip des Wechsels von mechanischer Belastung und Entlastung. Knorpelgewebe hat keine eigene Blutversorgung und nimmt Nährstoffe primär durch einen Diffusionsprozess auf (Be- und Entlastung).

 

Zusammenfassung:

PCSE ist ein spezialisierter Rehabilitationsansatz zur Förderung der Knorpelgesundheit durch gezielte, schrittweise Belastungsreize.

 

Kernkonzept des PCSE

Das Programm basiert auf dem Prinzip der Mechanotransduktion, bei dem mechanische Reize (wie Druck und Entlastung beim Laufen) die Knorpelzellen (Chondrozyten) dazu anregen, gesundes Gewebe aufzubauen und die Nährstoffversorgung zu verbessern.

 

Lebendige Zellen sind fortlaufend mechanischen Impulsen aus der Umgebung ausgesetzt. Mechanotransduktion bezeichnet die Umwandlung von physikalischen Signalen in intrazelluläre, molekulare Prozesse. Diese Vorgänge sind entscheidend für eine Steuerung der Zellfunktion (z.B. Proliferation, Differenzierung, Migration) unter physiologischen aber auch pathologischen Bedingungen.

 

Das progressive PCSE/R Laufprogramm -siehe unten-

 

Ein typisches Schema für das Kniegelenk (bis Stadium 3 der Knorpelschädigung) umfasst Intervalle, die über mehrere Wochen gesteigert werden: Kurzform

  • Stufen 1-2: 20x50m bis 20x100m Intervalle, jeweils 50m Gehpause (über ca. 4 Wochen).
  • Stufen 3-4: 15x200m bis 10x400m Intervalle, jeweils 50m Gehpause (über ca. 4 Wochen).
  • Stufen 5-7: 5x800m bis 2x2500m Intervalle mit längeren Gehpausen (über ca. 6 Wochen).
  • Stufe 8: Durchgehendes Laufen (5000m) als Ziel. 

Wichtige Regeln für die Durchführung

 

  • Schmerzkontrolle: Während und nach dem Training sollte der Schmerz auf einer Skala von 0–10 den Wert 3 nicht überschreiten.
  • Symptomüberprüfung: Keine Zunahme von Schwellungen oder eine deutliche Erwärmung des Gelenks.
  • Frequenz: Training schrittweise auf 5 Tage pro Woche steigern.
  • Belastungssteuerung: Fokus auf orthopädische Belastung, nicht Herz-Kreislauf.  

Ergänzende Übungsformen

 

Neben dem Laufprogramm helfen gezieltes Krafttraining, isometrische Übungen zur Entlastung sowie Propriozeptionstraining, die Gelenkstabilität zu verbessern und den Knorpel zu schützen. 

 

Beispiel - individuelle Steuerung in Abhängigkeit von Struktur und Schmerz,   siehe unten Stadien / mit Impact bis max. Stadium 3 -

 

1.     20 mal 50 m mit jeweils 50 m Gehpause: ca. 2000 m - 2 Wochen -

2.     20 mal 100 m mit jeweils 50 m Gehpause: ca. 3000 m -2 Wochen -

3.     15 mal 200 m mit jeweils 50 m Gehpause: ca. 4000 m - 2 Wochen -

4.     10 mal 400 m mit jeweils 50 m Gehpause: ca. 5000 m - 2 Wochen -

5.     5 mal 800 m mit jeweils 200 m Gehpause: ca. 5000 m - 2 Wochen -

6.     3 mal 1500 m mit jeweils 200 m Gehpause: ca. 5000 m -2 Wochen –

7.     2 mal 2500 m mit 400 m Gehpause : ca. 5400 m – 2 Wochen –

8.     5000 m

 

Belastungssteuerung nach orthopädischen (nicht nach cardiopulmonalen Aspekten.)

VAS während des Trainings und nach dem Training < 3/10; keine Zunahme von Schmerz, Schwellung und Temperatur (Gelenk)

In der ersten Woche jeden zweiten Tag, in der zweiten Woche 5 von 7 Tagen

 

Die chondralen Defekte werden in vier Stadien klassifiziert (IRCS Klassifikation von Knorpelschäden- Vergleich zur Outerbridge Klassifikation)

 

 

Outerbridge

ICRS Grad

ICRS Beschreibung

 

0

keine erkennbaren Defekte

 

1

1a

intakte Oberfläche, Fibrillationen und/oder leichte Erweichung

 

 

1b

zusätzlich oberflächliche Risse / Fissuren

 

2

Läsionstiefe <50% der Knorpeldicke (abnormaler Knorpel)

 

3

3a

>50% Tiefe der Knorpeldicke, nicht bis zur kalzifizierenden Schicht (schwer abnormaler Knorpel)

 

 

3b

>50% Tiefe der Knorpeldicke, bis zur kalzifizierenden Schicht

 

 

3c

>50% Tiefe der Knorpeldicke, bis zur subchondralen Platte

 

 

3d

>50% Tiefe der Knorpeldicke, mit Blasenbildung

 

4

4a/b

vollständige Knorpelläsion mit Durchbruch der subchondralen Platte

 

 

 

Progressive Chondro-Stimulating Exercises (PCSE) ist ein spezialisiertes Rehabilitationsprogramm zur gezielten Stimulation des Gelenkknorpels durch kontrollierte, stufenweise Belastung. Das Konzept basiert darauf, dass Knorpelgewebe mechanische Reize benötigt, um Nährstoffe aufzunehmen und gesund zu bleiben.

 

 

Das Programm kann auch nach Knorpeloperationen (z. B. Mikrofrakturierung oder Knorpelzelltransplantation) eingesetzt, um den Heilungsprozess zu fördern, ohne das regenerierende Gewebe zu überlasten (zunächst ohne Impacts).

 

Belastungssteuerung: Die Übungen beginnen mit minimaler Belastung (oft im Wasser oder auf dem Crosstrainer/ Ergometer ohne Widerstand) und steigern sich systematisch.

 

Zyklische Bewegung: Wiederkehrende Bewegungsabläufe fördern die Diffusion von Synovialflüssigkeit (Gelenkschmiere) in den Knorpel.

 

Progressive Steigerung: Die Intensität, Dauer und das Bewegungsausmaß werden nach einem Zeitplan erhöht.

 

 

Anwendung & Ziel:

Das primäre Ziel ist der Schutz vor vorzeitigem Verschleiß und die Festigung des neuen Knorpelgewebes.

 

 

Ein Belastungsaufbau ohne gewünschten Impact (Laufbelastung) wird individuell, bedarfsangepasst nach den beschriebenen Parametern gesteuert. Das Joggen (Running) dient nur als exemplarisches Muster zum Verständnis.

Beim Joggen (Running) sind Tempo, Schrittlänge, Gelände etc. festzulegende Parameter.

 

 

Ablauf einer degenerativen (mechanisch dominanten*) Arthrose im SFT-Modell (primär arthrogen):

 

1. Akuter Gelenkkater, Synovialphase (reversibel)

 

Die Reduktion der Viskositätsdynamik von Hyaluronsäure in der Synovia, infolge mechanischer Reize und/oder pathologischen outlets führt zum Verlust ihrer funktionell adäquaten Dreidimensionalität.

Auch die Synovia fungiert als Teil des Kontinuums und folgt ähnlichen Gesetzen (Dreidimensionalität, dynamische Reaktionsfähigkeit, Formgedächtnis/ endogene Spannung etc.). Gelenkknorpel, Menisken und extraartikuläres Weichteilgewebe unterliegen einer synergistischen Anpassung. Sie können gleichermaßen Folge und Ursache sein, da das Dämpfungssystem im Kontinuum arbeitet.

 

Die Gelenkkapsel (Faltfaszie) kann verdrehen und das pathologische outlet persistiert (primäres outlet). Ebenso kann das Verdrehen der Gelenkkapsel dazu führen, dass sich erst ein pathologisches outlet bildet (sekundäres outlet). Ein schlecht trainiertes Ausgangsmilieu des Gelenkes führt zum schnelleren Übergang in die chondrale Frühphase.

  

2. chondrale Frühphase der Arthrose (Fortbestand des chronischen GK, teilreversibel)

 

Es erfolgt keine vollständige Regeneration (Reizsummation) und/oder es kann keine vollständige Regeneration erfolgen (outlets). Es ist nur der Knorpel betroffen, bevor Veränderungen am Knochen erfolgen.

 

3. ossäre Degenerationsphase der Arthrose (Fortbestand des chronischen GK und der Knorpeldegeneration, teilreversibel)

Durch verstärkten Abrieb (Alter, Anlage, mechanisch, degenerativ) des Knorpels kommt es zusätzlich zur Verformung des Knochens und der Knochenstruktur. Es entsteht eine unregelmäßige Oberfläche des Knochens mit der Bildung von Osteophyten und Pseudozysten.

 

In jeder Phase möglich: passagere Entzündungsphase der Arthrose, ggfs. bis zur Destruktionsphase (Fortbestand des chronischen GK, ggfs. irreversibel)

 

Die mechanische Zerstörung der Gelenkoberfläche führt zur Freisetzung von körpereigenen Botenstoffen, die eine Entzündung fördern (Interleukin 1). Dieser, bei Akutverletzungen wichtige Schutzmechanismus, kann bei einer Arthrose außer Kontrolle geraten. Interleukin 1 lagert sich an den Knorpelzellen an und bewirkt die Freisetzung von knorpelzerstörenden Enzymen. Durch die Entzündung verändern sich die Membrana fibrosa und Membrana Synovialis. Es bildet sich ein Gelenkerguss und das Gelenk schwillt an. 

 

Eine posttraumatische oder postoperative, iatrogene Arthrose, kann auch in Phase 2 und 3 beginnen (beschleunigter Verlauf). 

Mit diesem Modell ("Gelenkkater")) lassen sich Anlaufschmerzen, die man Arthrosen zuordnet, verstehen.

 

 

*mechanisch dominante Arthrose: "beachte die fünf Phänotypen einer Arthrose, bzw. deren Kombinationsbilder." hier

 

 

Beispiele von "Dämpfungssystemen", die im lebendigen Körper Training benötigen 

 

Auto

Körper

Stoßdämpfer

Synovia mit HA

Federung

Knorpel (hyalin, elastisch, faserig)

Radaufhängung

Gelenkkapsel

Reifen

Muskulatur

Sitz

Fasziengewebe (EZM), IOM, IMS

Rahmenkonstruktion ( Starrheit und Flexibilität)

Biegespannung (Gewölbe, WS, Knochen…)

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